Ob fleckiger Rasen, Moos, Unkraut oder einfach ein Neustart – wer seinen Rasen renovieren möchte, hat grundsätzlich vier Methoden zur Auswahl. Diese unterscheiden sich erheblich in Aufwand, Kosten, Ergebnis und vor allem in der Zeit, die vergeht, bis man wieder einen schönen Rasen genießen kann. In diesem Artikel stellen wir alle vier Varianten detailliert vor – von der schonenden Nachsaat mit der Übersaatmaschine bis hin zum kompletten Neustart mit dem Sodenschneider.
Variante 1: Nachsaat mit der Übersaatmaschine
Schonend renovieren, vorhandenen Rasen erhalten
Diese Methode ist die eleganteste Form der Rasenrenovierung: Statt den alten Rasen zu entfernen, wird er aufgewertet und Nachsaat sorgt für eine dichte Grasnarbe. Vor dem ersten Schritt macht es Sinn den Rasen vorzubereiten mit einem Vertikutierer und abgestorbenes Material un Filz grob zu entfernen. Dann, sofern das zu der Philiosophie des Gartenbesitzers passt, Unkraut behandeln und einige Tage einwirken lassen.
Der erste Schritt der Renovierung ist ein tiefer Schnitt mit dem Rasenmäher – der sogenannte Tiefschnitt oder Skalpieren. Dabei wird der Rasen auf etwa ein bis zwei Zentimeter heruntergeschnitten, um möglichst viel abgestorbenes Material und Unkraut zu entfernen und die Rasenpflanze zu animieren neue grüne Triebe möglichst bodennah zu produzieren.
Optional kann der Rasen nun mit 0-2 Quarzsand besandet werden, um Unebenheiten auszugleichen. Dieser Schritt empfiehlt sich besonders bei älteren Rasenflächen mit Mulden oder Hügeln – im direkt noch Nährstoffe einzubringen kann man 10% Kompost nach Volumen unter den Sand mischen und um große Unebenheiten auszugleichen 50% Mutterboden, 40% Sand, 10% Kompost bzw. Rasensubstrat.
Den Abschluss bildet die eigentliche Nachsaat: Mit einer professionellen Übersaatmaschine – wie dem Elliot DZC 450/600 wird hochwertiges Saatgut, entsprechend der Anforderung und Lage der Rasenfläche, gleichmäßig in den vorbereiteten Boden eingebracht. Die Maschine ritzt dabei schmale Schlitze in die Erde und bläst das Saatgut direkt in diese Schlitze, was die Keimrate erheblich verbessert.
Vorteile: Die Übersaat ist vergleichsweise schnell erledigt, kosteneffizient und schont die vorhandene Rasennarbe. Wer diese Methode regelmäßig – jährlich oder alle zwei Jahre – anwendet, baut über die Zeit einen dichten, widerstandsfähigen Rasen auf, der exakt aus dem gewünschten Grassortiment besteht. Bereiche mit starkem Moos- oder Unkrautdruck können selektiv herausgearbeitet werden, während gesunde Bereiche erhalten bleiben.
Nachteile: Ein wenig Geduld ist gefragt. Nach der Nachsaat dauert es rund zwei bis vier Wochen, bis der Rasen sichtbar dichter wird. In dieser Zeit ist der junge Aufwuchs besonders anfällig für Trockenheit und muss regelmäßig bewässert werden. Wer nach wenigen Tagen einen perfekten Rasen erwartet, ist mit dieser Methode nicht gut beraten.
Position | Kosten |
Vertikutierer-Miete (1 Tag) | 35,00 € |
Vertikutieren (~0,5 Std. Arbeit) | 37,00 € |
Sand und 10% Kompost | 35,00 € |
Einebnen (~3 Std. Arbeit) | 222,00 € |
Nachsaatgerät-Miete (1 Tag) | 100,00 € |
Nachsaat ausbringen (~0,5 Std. Arbeit) | 37,00 € |
Rasensamen (Hochqualität, anteilig) | 19,18 € |
Gesamt (ca.) | ~485 € |
Variante 2: Fräsen mit der Bodenfräse
Radikaler Neustart bei verfilztem oder verdichtetem Boden
Wer einen Rasen vorfindet, der von Moos dominiert wird, stark verfilzt ist oder überwiegend aus unerwünschte Gräser und Blühpflanzen enthält, dem bietet die Bodenfräse die Chance auf einen echten Neuanfang. Geräte wie die Husqvarna TR31 arbeiten die oberen 15 bis 30 Zentimeter des Bodens durch und lockern dabei verdichtetes Erdreich auf. Gleichzeitig werden Steine nach oben gebracht, die anschließend mit dem Rechen abgesammelt werden müssen – das ist körperlich anspruchsvoll, sorgt aber für eine deutlich verbesserte Bodenstruktur. Wer die Extrameile gehen möchte kann auch die obere Erdschicht erneuern oder z.B. mit einem Rollsieb von Steinen befreien.
Nach dem Fräsen wird die Fläche planiert, optional mit Kompost und/oder Sand verbessert und anschließend eingesät. Der entscheidende Vorteil gegenüber der Übersaat: Man kann die Rasenmischung völlig frei wählen – ob reines Deutsches Weidelgras, Kentucky Bluegrass oder eine Mischung ohne jegliche Blühgräser. Wer störende Frühblüher im Rasen loswerden will, kommt an dieser Methode kaum vorbei.
Vorteile: Vollständiger Neustart auf sauber gelockertem Boden, freie Wahl der Grassorte, verbesserte Bodenstruktur durch Auflockerung, keine Entsorgungskosten da alles untergearbeitet wird.
Nachteile: Wie bei Variante 1 ist auch hier Geduld gefragt – nach dem Fräsen ist die Fläche braun und kahl. Es dauert zwei Wochen bis zur Keimung und eine weitere Woche bis zur Verdichtung. Der Arbeitsaufwand ist hoch: Das Fräsen selbst geht schnell, aber das Absammeln der Steine und das Planieren kosten Zeit und Kraft.
Position | Kosten |
Bodenfräser-Miete (1 Tag) | 70,00 € |
Fräsen (~2 Std. Arbeit) | 148,00 € |
Steineabsammeln & Planieren (~3 Std. Arbeit) | 222,00 € |
Steine und Unkraut entsorgen | 80,00 € |
Sand und Kompost | 40,00 € |
Fläche eben rakeln (~3 Std. Arbeit) | 222,00 € |
Nachsäen (~30 min Arbeit) | 37,00 € |
Rasensamen (Premiumqualität, anteilig) | 19,80 € |
Gesamt (ca.) | ~838 € |
Variante 3: Rollrasen verlegen auf den Bestand
Sofortiger Rasen ohne Wartezeit
Rollrasen ist die Methode für alle, die keine Zeit haben um zu warten, oder ein schnelles Ergebnis brauchen (z.B. für ein Gartenfest oder um den Pool so schnell wie möglich nutzen zu können).
Der Ablauf ist denkbar einfach: Der bestehende Rasen wird tief gemäht und skalpiert, anschließend mit Sand planiert und der frische Rollrasen direkt darüber verlegt. Innerhalb weniger Stunden verwandelt sich eine kahle oder verwahrloste Fläche in einen sattgrünen Rasen. Drei bis fünf Tage nach der Bestellung ist die Fläche fertig – bereit für den Gartenbesuch am Wochenende.
Der Rollrasen wird in Bahnen geliefert und Reihe für Reihe ausgerollt. Die Fugen werden dabei versetzt gelegt, ähnlich wie beim Mauerwerk, damit keine Linien entstehen. Anschließend wird der Rasen angewalzt und gründlich gewässert.
Vorteile: Sofortiges Ergebnis, sehr geringer Eigenaufwand beim Verlegen, kein Warten auf Keimung, optisch sofort perfekt.
Nachteile: Der höchste Materialpreis aller vier Methoden. Wer feste Einfassungen, Pflasterflächen oder andere Fixpunkte im Garten hat, muss beachten, dass die neue Rasenfläche um drei bis vier Zentimeter höher liegt als vorher. Zudem wurden die alten Wurzeln und das Unkraut nicht entfernt – aggressive Wurzelunkräuter können durch den Rollrasen hindurch nachwachsen. Die Qualität des Rollrasens variiert stark je nach Lieferant.
Position | Kosten |
Skalpieren (~20 min Arbeit) | 24,00 € |
Sand (Planierung) | 100,00 € |
Rollrasen (651,60 €/100 m²) | 651,60 € |
Verlegen (~2 Std. Arbeit) | 144,00 € |
Gesamt (ca.) | ~919 € |
Variante 4: Sodenschneider + Rollrasen
Der sauberste Neustart – mit sofortigem Ergebnis
Variante 4 kombiniert das Beste aus zwei Welten: die saubere Ausgangsbasis des Fräsens mit der Sofortwirkung des Rollrasens. Mit einem Sodenschneider wird die gesamte bestehende Rasennarbe – inklusive Wurzeln und Unkraut – schichtweise abgeschnitten. Das geht vergleichsweise schnell, ist aber logistisch aufwendig: Die abgeschnittenen Soden müssen abtransportiert und entsorgt werden. Bei einem Gewicht von rund 480 kg pro 10 m² und Entsorgungskosten von etwa 83 € pro Kubikmeter (entspricht ca. 63 € pro Tonne) kommen hier schnell erhebliche Zusatzkosten zusammen.
Nach der Entsorgung liegt blanke, saubere Erde vor einem – eine ideale Grundlage für frischen Rollrasen. Dieser wird direkt verlegt und angewalzt. Das Ergebnis: ein makelloser Rasen innerhalb von 2 bis 4 Tage, ohne das Risiko nachwachsender Unkräuter. Keine Chemie.
Vorteile: Vollständig saubere Ausgangsbasis ohne alte Wurzeln oder Unkraut, sofortiges optisches Ergebnis wie bei Variante 3, ideale Methode wenn in kurzer Zeit (1–2 Wochen) ein perfekter Rasen gebraucht wird – zum Beispiel für eine Gartenparty.
Nachteile: Höchster Gesamtaufwand und höchste Kosten aller vier Varianten. Der Schneidvorgang selbst ist schnell, aber Abtransport und Entsorgung der alten Soden sind zeitintensiv und teuer. Zusätzlich kommen die Materialkosten für den Rollrasen hinzu.
Position | Kosten |
Sodenschneider-Miete (1 Tag) | 70,00 € |
Schneiden (~1 Std. Arbeit) | 72,00 € |
Entsorgung alter Soden (~4,8 m³ × 83 €) | ~398,00 € |
Rollrasen (651,60 €/100 m²) | 651,60 € |
Verlegen (~2 Std. Arbeit) | 144,00 € |
Gesamt (ca.) | ~1335 € |